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  11.09.2020

Wohnsiedlung Neues Frankfurt wird zum Jubiläum saniert

2025 wird es 100 Jahre her sein, dass der Architekt Ernst May mit den Bauarbeiten für die Wohnsiedlung Neues Frankfurt begann. Bis dahin will die Stadt 10.000 Wohnungen sanieren.

Dieses besondere Jubiläum will die Stadt Frankfurt nicht nur einfach feiern, sondern auch durch Taten würdigen: 2025 wird es 100 Jahre her sein, dass die Bauarbeiten für die Wohnsiedlungen des Neuen Frankfurt begannen. In nur sechs Jahren entstanden damals neue Quartiere, deren Architektur und sozialer Anspruch zugleich weltweit Furore machten.

Die gesellschaftliche Herausforderung in den 20er Jahren erinnert an die von heute: Es ging darum, binnen kurzer Zeit erschwinglichen Wohnraum für viele Menschen zu schaffen. Genau das ist auch die Aufgabe der Gegenwart.

1925 hatte der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann den Architekten Ernst May zum Stadtbaurat ernannt und ihn mit dem Wohnungsbau betraut. May sammelte ein großes Team von mehr als 60 Architektinnen und Architekten, auch Ingenieuren, Planern und Designern um sich. Binnen nur sechs Jahren entstanden in öffentlich-privater Partnerschaft 12 000 neue Wohnungen: die Siedlungen Römerstadt in Heddernheim, Riederwald, die Heimatsiedlung in Sachsenhausen, Praunheim und Westhausen sowie Hellerhof im Gallus.

Es wurden nicht einfach nur Wohnungen gebaut, sondern dazu auch Gärten und Freiflächen angelegt, die der Erholung der Menschen, aber auch der Selbstversorgung durch den Anbau von Lebensmitteln dienten.

Die Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky entwarf eine platzsparende Einbauküche, die als Frankfurter Küche Weltruhm erlangte. In Kleingärten gab es typisierte Hütten, was Kosten sparte. Man baute auch die Wohnhäuser bereits mit standardisierten Teilen. Normiert wurden ebenso Möbel und Geschirr, selbst Türklinken. Bildhauer schufen Grabsteine aus regionalem Material. In besonderen, von der Norm abweichenden Gebäuden entstanden Gemeinschaftseinrichtungen wie Läden und Bibliotheken.

Das Neue Frankfurt war eine soziale Bewegung, die auch die Kunst erfasste. So entwarfen etwa Studierende der Städelschule Leuchten für die Häuser. Am Ende setzten die erstarkenden Nationalsozialisten Ende der 20er Jahre den Frauen und Männern des Neuen Frankfurt stark zu. Der Nazi-Propagandist Joseph Goebbels beschimpfte May als „Lenin der Architektur“. Die Nazis griffen Protagonisten des Neuen Frankfurt wie May aber auch an, weil sie Juden waren.

Die Stadt Frankfurt will das näher rückende 100-jährige Bestehen des Neuen Frankfurt für eine umfassende Sanierung der Siedlungen nutzen. Häuser mit etwa 10 000 Wohnungen sollen erneuert und energetisch in die Gegenwart geführt werden.

Der sozialdemokratische Planungsdezernent Mike Josef spricht vom Neuen Frankfurt als einer der „Kernidentitäten unserer Stadt“. Mit der Erneuerung der Siedlungen will er auch „das Heimatgefühl“ der Menschen stärken und bewusst gerade diesen Begriff nicht den erstarkenden Rechtspopulisten und Rechtsextremisten überlassen.

Bis zu 65 Millionen Euro, so hofft die Stadt, können in den nächsten Jahren für diese Aufgabe investiert werden. Vom Bund kommen schon jetzt fünf Millionen Euro aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Diese fünf Millionen fließen gezielt in die Siedlungen Römerstadt, Riederwald-Ost und Heimatsiedlung. Für diese drei Quartiere hat die Stadt als erste Rate weitere 2,5 Millionen Euro mobilisiert.

Wohnungsdezernent Josef hatte auch einen intensiven Austausch mit der Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv in Israel geplant. Dort gibt es mehr als 4000 Gebäude, die im Stil des Bauhauses und des Neuen Frankfurt errichtet wurden. Auch Tel Aviv muss dieses städtebauliche Erbe jetzt sanieren. Josef möchte einen Erfahrungsaustausch mit der Partnerstadt. Aufgrund der Corona-Pandemie, die Israel mit einer zweiten Welle gerade besonders hart trifft, ist der jedoch bisher nicht zustande gekommen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 10.09.2020. Von Claus-Jürgen Göpfert



 


 
     
 




 

 



     
     
     
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