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  10.07.2019

Nabu und BUND legen Biotop in Niederursel an

Nabu und BUND haben in Niederursel ein Biotop angelegt – auch als Signal an Stadtplaner. Der Weg ist erstaunlich steil, vom Dorfkern hinauf in die Felder, doch er lohnt sich. Am Ende wartet ein kleines Paradies, vor allem für Vögel und Kleinlebewesen: das Niederurseler Lerchenfeld.

Ingolf Grabow radelt flugs vorneweg. Wie so oft steckt er dahinter, der Beauftragte der Staatlichen Vogelschutzwarte, zuständig für Heddernheim, Niederursel und Praunheim, aber bekannt und beliebt auch drumherum bei allen, die Federn haben und ihren Freunden. Hinter einem Baum biegt er plötzlich rechts ab, weiter geht’s über Stock und Stein bis zu einem Feld, das sich merklich unterscheidet von den Äckern der Umgebung. Da wächst ja was. Da wächst ja viel. Da entsteht ein Lerchenfeld. Nur die Lerchen fehlen noch.

„Hier sind wir“, sagt Grabow. Ein Schild bestätigt ihn. „Schutzgebiet für Feldvögel und Feldhasen“ steht drauf, und dass man die Brachfläche nicht betreten soll, auch nicht als Hund. Auf Fotos grüßen Lerche und Hase. In der Luft das Geräusch der nahen Autobahn.

Römerin rettet Natur

Diese genau 7636 Quadratmeter Natur waren mal intensiv genutzte Landwirtschaftsfläche, genau wie alles drumherum. Bis die Eigentümerin Franziska Nori 2013 den Pächtern kündigte, um etwas für die Umwelt zu tun. Nicht nur Frankfurtern ist die Frau als Leiterin des Frankfurter Kunstvereins und Ausstellungskuratorin bekannt; fast ebenso lang, seit 2015, ist die geborene Römerin zudem Zweite Vorsitzende des Frankfurter Naturschutzbunds (Nabu).



Ingolf Grabow hat ein Herz für Lerchen, nicht nur in Niederursel. © Christoph Boeckheler

„Ich habe sie für ihren Mut, den Landwirten zu kündigen, sehr bewundert“, sagt Ingolf Grabow. „Inzwischen finde ich: es ist ein Super-Projekt für die Natur.“

Kaum war das Flurstück Nummer 18 der Landwirtschaft entwidmet, machten sich Naturfreunde von Nabu und BUND an die Arbeit. Im November 2013 pflanzten sie Obstbäume, Heckenrosen, Holunder, Haselnuss, Weiß- und Schwarzdorn, Schmetterlingsflieder, Kopfweiden, je eine Linde, Eiche, Buche und Walnuss.

Ein möglichst vielfältiger Lebensraum sollte es werden, ein Trittstein in der oft kahlen Agrarlandschaft. Nicht alle Nachbarn akzeptierten das; ein Landwirt sei mit dem Traktor auf die Naturfläche gefahren und habe über Jahre mehr als 700 Quadratmeter davon illegal bewirtschaftet, fanden die Nabu-Leute anhand von Luftbildern heraus. Inzwischen haben die Pächter gewechselt – der neue Nachbar akzeptiere die Grenzen und sei sehr kooperativ, sagt Grabow.

Und die anderen Nachbarn, die ohne Landbesitz? Wer piept und pfeift denn da? Mäusebussard, Turmfalke, Braunkehlchen ließen sich binnen kürzester Zeit blicken und fotografieren, Dorngrasmücke, Kohlmeise, Grünspecht, Stieglitz, Schaf- und Bachstelze, Heckenbraunelle, jede Menge Schmetterlinge und andere Insekten – und auch singende Feldlerchen, aber noch nicht als Brutvogel. „Die Ansiedlung der Feldlerche soll aber unser Ziel sein“, betont Grabow. Deshalb heißt das ganze Areal seit diesem Jahr: Niederurseler Lerchenfeld, passend zum Vogel des Jahres 2019. Es soll auch ein Signal sein gegen die Wachstumswut der Großstadt. Der neue Stadtteil an der Autobahn 5, genau in dieser Gegend ist er geplant. Und was wird dann aus der Artenvielfalt?

„Alles, was Feld- im Namen trägt, ist bedroht“, erinnert der Vogelschutzbeauftragte, auch Feldhase, Feldhamster, Feldsperling und die Feldmaus. Wichtig für sie sind Rückzugsräume und ein natürliches Nahrungsangebot, wie es ein extensiv bewirtschafteter Feldstreifen bietet. Leider sind auch diese Streifen insgesamt selten geworden – wie gesagt, alles, was mit Feld- anfängt …

Eine eingehende Kartierung des Gebiets soll in nächster Zeit folgen, unter Regie der Biologin Monika Peukert und ihres Fachbüros Anland. Motto: „Was wächst denn dort, was ist in Zukunft dort zu machen?“ Wenn die Feldlerche mitbekommt, was da alles für sie veranstaltet wird, lässt sie sich gewiss auch zum Brüten nieder. Kann ja auch im Anschluss an ihre Amtszeit als Vogel des Jahres sein.

Artikel Frankfurter Rundschau, vom 10.07.2019. Von Thomas Stillbauer



 


 
     
 




 

 



     
     
     
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