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  11.05.2019

Die Tage sind gezählt: Drosselbart soll Neubau weichen

Mehr als 100 Jahre lang gingen die Eschersheimer hier ihren Schoppen trinken. Jetzt droht dem Drosselbart das Aus. Das Gelände ist verkauft, ein Neubau droht.

Schon vor einem Jahr waren im Frankfurter Stadtteil Eschersheim Gerüchte aufgekommen, nach denen die Zukunft der Gaststätte "Drosselbart" gefährdet sei. Damals hatte die Liegenschaft, auf der sich das Traditionslokal mitsamt seinem großen, idyllischen Biergarten befindet, auf einer Immobilienwebseite zum Verkauf gestanden.

Nun haben die Befürchtungen neue Nahrung bekommen. Seit Mitte Januar ist im Grundbuch die BPT Esch GmbH als neuer Eigentümer eingetragen, die nach eigenen Angaben mit dem An- und Verkauf von Grundstücken und deren Entwicklung in der Eschersheimer Landstraße Geschäfte macht.

Erste Gespräche

Auf dem Areal, auf dem mehr als 100 Jahre alte Bäume stehen und das seit 1904 als Gastronomiestandort dient, ist offenbar ein Neubau geplant. Das bestätigt Simone Zapke, die Leiterin der städtischen Bauaufsicht. Ein Antrag liege zwar noch nicht vor, aber es habe bereits Beratungsgespräche mit den Eigentümern gegeben.

"Es liegt uns am Herzen, dass dort so behutsam wie möglich bebaut wird", sagt Zapke. Man versuche auf die Verantwortlichen einzuwirken, möglichst viel von der Freifläche zu erhalten. Aber sollte es zu einem Neubau kommen, würde sich das auf jeden Fall auf den Baumbestand auswirken.



Der Biergarten des Drosselbart mit seinen alten Kastanien steht vor dem Aus: Der neue Eigentümer plant auf dem Gelände einen Neubau. Ein Stück Eschersheim geht verloren, ist man sich im Stadtteil gewiss. © Bernd Kammerer

Unberührt bleiben von der Maßnahme würde die Autowerkstatt auf dem gleichen Gelände. Für diesen Teil des Grundstücks verfügt Besitzer Michael Mancini über ein Erbbaurecht bis Ende 2084, das er nicht abgeben wird . "Mir kann nichts passieren", sagt der KfZ-Meister. Besuch hatte er vergangene Woche schon vom neuen Eigentümer und kann berichten, dass der bei seinem Projekt das Vorderhaus wohl abreißen will, aber in dem Nachfolgebau weiterhin mit einem Restaurantbetrieb plant. Ein reines Wohnungsprojekt ist laut Zapke sowieso nicht zugelassen.

Drosselbart hat 100-jährige Geschichte

Im "Drosselbart" selbst, wo der Pächter Andreas Möllner kurz nach der Übernahme vor vier Jahren eine Renovierung in Angriff nahm, will man zu der Angelegenheit lieber gar nichts sagen. "Wir haben mit Verschwiegenheit die besten Erfahrungen gemacht", heißt es. "Aber wir sagen unseren Gästen: Kommt her - in zwei Wochen sind wir nicht mehr da." Der Galgenhumor wird an anderen Stellen im Stadtteil nicht erwidert. Ortsvorsteher Friedrich Hesse liegt das Schreiben eines Bürgers vor, der viele Argumente dafür liefert, warum man den "Drosselbart" und seinen Garten erhalten müsse.

Das Lokal selbst habe eine mehr als 100 Jahre alte Geschichte. Die Bäume auf dem Grundstück dienten vielen Vögeln als Nistplatz und verbesserten das Klima. Zudem biete der Garten einen der wenigen Treffpunkte mit Erholungscharakter in einem Gebiet, dessen Bebauung sich immer mehr verdichte. Ein solches Kulturgut müsse erhalten bleiben.

"Schwerer Schlag"

Hesse selbst würde den Wegfall des beliebten Außengeländes als "schweren Schlag für die Identität" des Stadtteils empfinden. "Schon das Verschwinden des Apfelweinlokals Scherer vor Jahren war ein großer Verlust. Was bleibt denn noch von der Seele Eschersheims?" Doch dem Ortsbeirat seien die Hände gebunden, wenn bei einem Bauvorhaben die Gesetze und Vorschriften eingehalten werden. Da mehr Wohnungen benötigt werden, müsse man versuchen, einen Kompromiss zu finden.

Donna Ochs von der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 9 hat für die nächste Sitzung am 16. Mai einen Antrag übersandt, in dem der Magistrat aufgefordert wird, den Biergarten zu erhalten. Über genauere Pläne ist sie nicht informiert, hat nur einen Hinweis von der Initiative "Liebenswertes Eschersheim" erhalten. Doch wie Hesse vertritt Ochs die Meinung, man müsse mit seinen Einwänden tätig werden, bevor alles abgemacht ist. Nur so sei es vielleicht möglich, noch zu verhindern, dass es mit der Sommerfrische im eigenen Stadtteil bald vorbei sein könnte.

Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 10.05.2019. von Katja Sturm



 


 
     
 




 

 



     
     
     
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