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  07.09.2018

Als die Gemeinde stumm blieb

Im Laufe ihrer 125-jährigen Geschichte musst die Kirche St. Peter und Paul mehrfach ihre Glocken abliefern.

Die Menschen früher waren kleiner, sagt man. In Heddernheim müssen sie ziemlich klein gewesen sein, damit in der katholischen Kirche St. Peter und Paul etwa 1100 Personen Platz finden konnten. Doch in der Urkunde zur Grundsteinlegung des Gotteshauses an der Oranienstraße ist es entsprechend vermerkt. Und dieser Tage blicken viele auf die Gründung zurück: Die Pfarrgemeinde feiert derzeit den 125. Geburtstag der Kirche.

Warum in dem historischen Schriftstück steht, dass 1893 mehr als viermal soviel Gläubige Platz fanden wie heutzutage, kann Pastoralreferent Matthias Köhler nicht erklären: „Das kann keiner mehr nachvollziehen.“ Dabei sind in der Urkunde zahlreiche Details vermerkt: Etwa dass die Kirche „im frühgotigen Stile als Ziegelrohbau mit Werksteingliederungen aus Heilbronner Sandstein“ hergestellt wird. Und dass sie 58 000 Mark gekostet hat, mit Einrichtung sogar 73 000 Mark. Der größte Teil sei durch Spenden zusammengekommen, so Köhler. Auch die Protestanten im Ort hätten ihren Teil dazu beigetragen. Vielleicht, damit die Katholiken schneller wieder zu einer eigenen Kirche kamen. Denn übergangsweise nutzten die Mitglieder der Pfarrgemeinde Ende des 19. Jahrhunderts die Räume der evangelischen Christen.



Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Nazis die Glocken. Foto: St. Peter und Paul

Seit 1840 hatten die Heddernheimer bereits eine Kirche St. Peter und Paul. Ursprünglich befand sich das Gotteshaus in der Straße Alt-Heddernheim 40, sagt Historiker Klaus Gülden. „Heute steht dort ein Wohnhaus.“ Das Geld für die Kirche stellte die Familie des Barons von Breidbach zur Verfügung, die damals im Heddernheimer Schloss wohnte. Der Adelige schenkte der Gemeinde auch zwei Ölgemälde der beiden Apostel Petrus und Paulus, die auf seinen Wunsch hin die Patronen der Kirche wurde.

Im Jahr 1891 brannte die damalige Kirche jedoch fast vollständig aus. Nur das Allerheiligste konnte gerettet werden. „Die Ursache für den Brand wurde nie geklärt“, sagt Gülden. Er geht davon aus, dass es Brandstiftung gewesen ist. Dass das Gotteshaus wieder aufgebaut werden sollte, war für die Gemeinde klar. Doch eignete sich der alte Standort nicht mehr. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung stark angewachsen, sagt Gülden. Vor allem durch die Heddernheimer Kupferwerke, die sich aus einem kleinen Hammerwerk am Urselbach zu einem großen metallverarbeitenden Betrieb entwickelten. Aus dem ganzen Umland seien die neuen Arbeitskräfte gekommen, auch aus dem Vogelsberg und Hanau. „Viele haben sich hier niedergelassen.“

Die Familie von Breidbach stellten für den Kirchenneubau ein Grundstück an der Taunusstraße zur Verfügung – der heutigen Oranienstraße. 13 500 Mark zahlte die Versicherung. Bereits Ende 1893 konnte das neue Gotteshaus fertiggestellt werden – solange waren sie bei den Protestanten zu Gast. Die eigentliche Weihe erfolgte erst sechs Jahre später. Gülden vermutet, dass für die Innenausstattung wie die Bestuhlung Geld fehlte.

Im Ersten Weltkriegen musste die Gemeinde alle vier Glocken abliefern. Bis 1922 blieb die Kirche stumm, dann erst konnte sie zwei neue Glocken kaufen. 20 Jahre später wurden auch diese von den Nationalsozialisten eingezogen. Nach dem Krieg helfen die Kupferwerke dabei, vier neue Glocken zu besorgen. Mehrere Bombeneinschläge beschädigten die Kirche stark, berichtet Pastoralreferent Matthias Köhler. „Glücklicherweise konnten die Brandbomben durch den Pfarrer und Helfer rechtzeitig gelöscht werden.“ Sonst könnte die Gemeinde derzeit nicht ihr Jubiläum feiern.

Zum Jubiläumsnachmittag lädt die Kirche am Dienstag, 4. September, 15 Uhr, ein. Dann wird der 125. Geburtstag und der 40. des Seniorenkreises im Gemeindehaus, Heddernheimer Landstraße 47, gefeiert.

Artikel Frankfurter Rundschau, vom 04.09.2018. Von Boris Schlepper



 


 
     
 


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