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  04.06.2018

Kunst im Industrie-Ambiente

Leben in der ehemaligen Metall- und Haushaltswaren-Fabrik: Zur „Bunten Meile“ öffnen die Kreativen in den Heddernheimern Höfen ihre Ateliers.

Die jungen Models in roten und gelben Sommerkleidern interessieren Laura Fiederer nicht. Als Motiv hat sich die frisch ausgebildete Fotografin einen Mann im schwarz-weißen Anzug mit Hahnentrittmuster ausgesucht. Er trägt kurzes graues Haar. Sein langer, gepflegter Vollbart reicht bis unter die Brust.

Bei der „Bunten Meile in den Heddernheimer Höfen“ wird die ehemalige Metall- und Haushaltswaren-Fabrik am Samstag zur Kulisse für passionierte Bildermacher. Künstler und andere Kreative haben ihre Ateliers geöffnet, um Besuchern zu zeigen, wie sie in den Höfen arbeiten, die vor rund sieben Jahren für „Kunst, Kultur und Gewerbe“ geöffnet wurden.

Mittlerweile sind dort, wo bis in die 60er Jahre Töpfe und Pfannen hergestellt wurden, 35 Mieter eingezogen. „Zu 80 Prozent sind die Räume vermietet“, berichtet Geschäftsführerin Nicole Harloff. Neben Kunstwerkstätten sind auf dem Gelände zwischen der Station Heddernheimer Landstraße und dem Müllheizkraftwerk unter anderem eine Klavierschule, ein Fitnessstudio, die Werkstatt eines Leihradunternehmens und eine Marketing-Büro untergebracht.

Viele Besucher haben am Samstag Kameras mit großen Objektiven geschultert. Herausgeputzte Models posieren vor Traktorreifen und zwei Oldtimer-Karossen, die im Innenhof geparkt wurden. Laura Fiederer lichtet ihr Mannequin Tom Jung in einem Treppenhaus ab. „In Schwarz-Weiß sieht das richtig geil aus mit dem Bart und den paar Fältchen im Gesicht“, sagt die 25-jährige Mörfelden-Walldorferin. Ihr 55-jähriges Model schaut mit ernstem Blick, die Augenbrauen hochgezogen, in die Linse. Der Treppenaufgang hinter Jung wirkt karg und funktional.

Rebecca Unsöld ist mit ihren Söhnen Bijan und Jaschar vorbeigekommen. Nur drei Straßen entfernt vom alten Fabrikgelände wohnen sie. Trotzdem hätten sie länger nicht mitbekommen, „dass es dort künstlerische Angebote gibt“. Die 48-Jährige sagt: „Diese Inseln der Kreativität braucht es.“ Bijan und Jaschar malen sich derweil gegenseitig in „Hogwarts-Schuluniformen“ à la Harry-Potter mit Farben und Papier von Heide Schucht Lessa. Ihre Staffeleien und Farbtöpfchen hat die Maltherapeutin für diesen Tag vor das Haus geräumt. Eigentlich ist ihr Atelier im ersten Stock eines der fünf Gebäude der Höfe.

Die Atmosphäre im Haus findet Schucht Lessa „locker und unkompliziert“. Durch die „bunte Mischung“ an Mietern habe sie als Künstlerin auch „mit der normalen Welt zu tun“. Es fehle ihr jedoch nach drei Jahren in den Höfen noch immer an Publikum, obwohl sie Werbung in Schulen und Kindergärten gemacht habe.

Das will Nicole Harloff mit einer Veranstaltungshalle ändern. In der einstigen Fabrikhalle sollen künftig Filmdrehs, Musik- und Firmenveranstaltungen, Privatfeiern sowie Fotoshootings stattfinden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Nachdem Harloff das Dach sanieren hat lassen, wurde zuletzt der Betonboden rausgerissen, der nun erneuert werden soll. Wann die Halle fertig sein wird, kann die 47-Jährige noch nicht sagen. In jedem Falle wolle sie den „Industrie-Charme“ mit den Stahlträgern und frei gelegten Rohren erhalten. Daneben soll der betonierte Innenhof mit Hochbeeten begrünt werden und im Nachbargebäude ein Bistro einziehen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 04.06.2018. Von Clemens Dörrenberg



 


 
     
 


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